21.1.2003

Markus beim balgen mit seinem kleinen Bruder. Dabei erzählt er dann, daß er es geschafft habe, das (elektronische) Klavier so zu programmieren, daß es sogar noch tut, wenn man es abgeschaltet hat. Heute hat er seinen musikalisch Tag: er kommt mit der Gitarre die Treppe runter,

Quatsch machen mit Andreas

streicht quer über die Saiten und singt/spricht: Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht! ...und den Rest habe ich vergessen!

Und man denkt sich: Recht hat er!

Motorradfahrer

Der Papa hat noch seinen alten Motorradhelm im Schrank. Markus erinnert sich praktisch noch an alles, was ihn mal interessiert hat.

Und jetzt brauch ich blos noch ein Motorrad!

2.3.2003

Abteilung Sprüche von Markus:

Freiheit
Freiheit ist, daß man alles machen kann, solange es andere nicht stört.
Aber mich stört gewaltig, daß Micky Maus so teuer ist!

1.4.2003

Markus hat heute Geburtstag, wird nun 13. Neben seiner körperlichen Verfassung ist auch sein Gemütszustand wieder recht gefestigt.

Heute sagte er:
Also, ich hab ALD. Aber es gibt 1000 Gründe um nicht zu sterben, also werde ich jetzt nicht sterben....sucht Euch doch einen anderen Trottel! (..zum sterben).

Makrus beim auspacken
Mit Schlepper

Mit dem Frühling ist auch sein Tatendrang wieder so richtig erwacht. Er drängt oft darauf, daß wir mit ihm in den Wald zu dem Lager gehen, das er vor Jahren dort mit aufgebaut hat. Eigentlich will er ja allein gehen, aber er würde weder hin-, noch zurückfinden. Allerdings ist er letztes Jahr mal ausgebüchst und war tatsächlich in dieser Richtung unterwegs.

30.5.2003

Radfahren ist für Markus immer wieder schön. Durch seine Klick-Pedale hat er festen Kontakt zwischen Schuhen und Pedalen; meist hält er sich dabei überhaupt nicht am Lenker fest, sondern albert rum, quasselt, kitzelt den Piloten vorn auf dem Tandem. Neulich meinte er beim abfahren:


Jetzt brauchen wir hinten nur noch ein Schild: We break for nobody!

Mit Maria auf dem Tandem
Mmmh, Vesper!

Erst von Maria ein Würstchen grillen lassen...

Markus am Lager
Dann wird Hannes bequatscht

...dann den Hannes bequatschen...

(Markus führt oft die Hand zum Gesicht seines Gesprächspartners um somit eine Reaktion auf seine Aussagen zu erhalten. Mehr als ja oder nein kommt so allerdings leider nicht rüber).

...und zuletzt am Lager vorbei. So gefällt es unserem Markus.

23.6.2003

Appetit ist was, von dem Markus immer genug hat. Da hilft er schon mal beim Kirschen ernten (er sieht die Kirschen nicht, aber durch fummeln findet er sie doch). Dann muß man halt aufpassen, daß man keinen Kirschkern abkriegt. Wenn doch, freut er sich hämisch.

Im Kirschbaum
Markus hockt auf der Anrichte umd mampft

Und wenn der Kohldampf gar zu groß wird, geht´s in die Küche und er sucht sich irgendwas, das sich eßbar anfühlt. Hier hat er die fast leere Salatschüssel gefunden...setzt sich auf die Anrichte und baggert sie leer. Normalerweise geht das mit der Hand, hier mal vornehm mit dem (Salat-) Löffel. Das T-Shirt ist freilich trotzdem versabbert.

Die Position sieht leicht kriminell aus, ist es wohl auch, aber bisher ist er immer recht sicher mit den Füßen voraus abgestiegen.

Gestern hat er mal wieder einen Kugelschreiber erwischt. Diesmal aber nicht nur zum draufbeißen benutzt, sondern sich ein Blatt Papier bestellt und PAPA draufgeschrieben...worauf der Schreiber dieser Zeilen schon mit einem gewissen Stolz verweist...
Markus schreibt recht ungern und selten, nur alle paar Monate mal.

Markus kann noch schreiben

14.8.2003

Tja, heute ist ein schwerer Tag.
Wir hatten zwar nur kurz und heftig darüber debattiert - und je näher der Tag gerückt ist, desto sicherer wurden wir in dieser Entscheidung: Markus wird ab heute in einem besonderen Internat in Hannover leben; sie sind spezialisiert auf taubblinde Schüler und können, so hoffen wir, besser auf seine ganz besonderen Bedürfnisse eingehen; so gibt es dort z.B. schulischen Einzelunterricht von speziell geschulten und erfahrenen Lehrern. Wir hoffen, daß nun eine Möglichkeit gefunden wird, wie man seine Aufmerksamkeit gewinnen und ihm wieder etwas mitteilen kann.

Anziehen für die große Reise...

Fertigmachen zur Abfahrt: Markus kennt zwar die neue Schule schon, weiß aber noch nicht, daß er dort nun auch untergebracht wird.

...nach Hannover

Vollgepackt bis unters Dach:

Mit Klamotten, Spielzeug, Krimskrams und etwas ganz Besonderem, einem Teil von uns allen:

      Markus

Da Hannover nicht gerade nah bei unserer Heimat ist (allein 4 Stunden ICE-Fahrt in einer Richtung), können wir Markus nur jedes zweite Wochenende holen, dann aber wenigstens Freitag bis Montag, so daß er zumindest jeweils 2 ganze Tage zuhause sein wird.

So anstrengend er manchmal auch sein kann, so sehr wird er uns fehlen, zwischen diesen Besuchswochenenden.
Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen; allerdings sind wir der festen Überzeugung, daß er dort bessere Chancen hat, zumindest noch etwas dazuzulernen, sein Aufmerksamkeitsproblem vielleicht doch manchmal etwas zu überwinden. Und wir mußten erkennen, daß seine Chancen wichtiger sind als unsere Probleme, ihn loszulassen. Vermutlich wird es für ihn selbst leichter fallen - als immer noch recht vergnügtes Kind wird er sich wahrscheinlich recht schnell einleben können. Übergangsweise kann seine Mama dabei bleiben, bis dies geklappt hat.

27.9.2003

Wie die Zeit verrinnt - nun ist Markus schon rund 6 Wochen in Hannover und ist während der Schulzeit nur zu den Besuchswochenenden zu Hause. Er hat sich ganz gut eingelebt, die Anfangsprobleme hielten sich in Grenzen - zumal das Schuljahr mit Freiluftschule und Schullandheim angefangen hatte, also ein recht interessantes Programm. Beim ersten Besuch daheim meinte Markus dann auch, er hätte jetzt ganz schön was erlebt.

Gut drauf
beim sinnieren

Freiluftschule kann man wohl auch zum rumhängen und grübeln nutzen....

beim Pferd streicheln

...oder um Tiere zu erleben!

Im Schullandheim an der Ostsee ist er mal mit seinem Lehrer den Strand entlang gelaufen...immer weiter und weiter...
und meinte dann wohl: Das ist aber ´ne große Insel!

31.10.2003

Herbstferien: ganze 3 Wochen war Markus nun wieder zu Hause.

Mit Schwesterlein´s Hilfe - ohne viel gucken - geht auch das balancieren noch ganz gut. Allerdings verläßt er sich dabei schon voll auf die Führung.

Balancieren
Maria bequatschen

Danach gibt´s dann was auf die Ohren: Markus beim quasseln und gestikulieren.

Hier wird die Freude schon richtig spürbar: Reiten zählt wohl zu den schönsten Dingen, die ihm das Leben noch bieten kann.

Hippotherapie

Markus war neulich auf PRO 7 in der Sendung taff zu sehen.
 

23.11.2003

Auf 3SAT kommt eine Sendung zum Thema Myelinerkrankungen:
Samstag, 29. 11. 2003, 18:30 Uhr
Titel: Markus letzte Chance - Wunderwaffe Stammzellen?

Neben Markus wird auch Lorenzo Odone gezeigt.

1.12.2003

Zum Besuchswochenende war Markus mal wieder zuhause - als er entdeckt hat, daß sein großer Bruder am Klavier saß, hat er gleich geholfen.

Klavier: erst mal zuhören...

Unser
Linkshänder

...dann mitmachen...

Volle Konzentration:
das Solo

...dann das Solo

Trotz seiner Demenz ist er manchmal doch sehr ernst. Kürzlich sagte er: Wißt Ihr, was denke? Ich glaube, daß ich nie wieder richtig aufwachen werde.

Das ist eine sehr treffende Beschreibung seines Zustandes - so richtig wach, mit sehen und hören ist er nicht mehr; ebenso fühlt er sich wohl auch geistig etwas im Halbschlaf. Was im übertragenen Sinne durchaus zutrifft.
 

Wir hoffen jedoch sehr, daß das Mittel zum aufwachen gefunden wird. Immerhin hat er durch die Transplantation und seinen jetzige zumindest stabile Situation die Zeit, auf dieses zu warten. Nun sind es bald 3 Jahre nach der Diagnosestellung - wenn wir bedenken, daß er aus damaliger Sicht noch vielleicht 2 Jahre hatte (Aussicht ohne Transplantation), geht es ihm wirklich relativ gut.

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Alles der Reihe nach? Hier geht´s weiter:
das vierte Jahr nach der Knochenmarktransplantation