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Stand 9.2.2001:
Markus wurde aus der Klinik (Virchow Klinikum der Charité Berlin) entlassen, gemeinsam mit seiner Mama lebt er jetzt für mindestens 4 Wochen in einem Elternhaus, das von McDonalds mit gesponsert wird. Seine Blutwerte sind erfreulich, er nimmt wieder Lorenzos Öl ein um bis zum erhofften Stillstand der Krankheit weitere Schäden zu vermeiden. Seine liebste Beschäftigung weiterhin: Computer spielen (Strategiespiele). Nach 2 Monaten Klinik ist er momentan noch etwas wackelig auf den Beinen.
18.2.2001:
Sein Gehör (hier zeigte sich die Krankheit zuerst) ist mittlerweile fast ganz verloren. Wir haben jetzt damit begonnen, mit ihm die Zeichensprache zu erlernen. Sein Sprechen ist langsam und nicht sehr deutlich, was dem Zuhörer Konzentration abverlangt. Er erzählt aber gerne und viel über alles, was ihm so durch den Kopf geht, insbesondere auch über lustige Begebenheiten und Witze. Sein Heimweh wird allerdings jeden Tag größer - wenn alles weiterhin gut geht, darf er in 3 Wochen heim.
Der medizinische Dienst (und damit die Krankenkasse) hat die Kostenübernahme von Lorenzos Öl erst mal abgelehnt. Wir werden nun aber mit einer ärztlichen Bescheinigung versuchen, daß sie doch noch erfolgen kann. Auch wegen der Bezahlung einer Haushaltshilfe für die Restfamilie zuhause (wir haben 3 weitere Kinder) gibt es Probleme: eigentlich wird sie nur für die Dauer des stationären Klinikaufenthaltes von Markus bezahlt - das Elternhaus gehört aber nicht mehr zur Klinik. Dennoch ist die Kliniknähe (mehrere Klinikbesuche jede Woche, die Klinik ist vom Wohnort 670 km entfernt) jetzt noch nötig. Also auch hier wieder Anträge, Bescheinigungen und die Hoffnung, daß es doch noch ein Einsehen gibt.
20.2.2001:
Heute kam der Bescheid über die Ablehnung der Kostenübernahme für das Lorenzo´s Öl!
Trotz einer (Zitat) Ärztliche Bestätigung über die Notwendigkeit der Behandlung mit dem Präparat Lorenzo´s Öl (Zitatende, Uniklinik Tübingen) hat der medizinische Dienst in einem sozialmedizinischen Gutachten diese Unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethode abgelehnt, weil: Würz- und Süßstoffe, Obstsäfte, Lebensmittel im Sinne des §1 des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes, Krankenkost- und Diätpräparate nicht zu Lasten der GKV (gesetzl. Krankenversicherung) verordnet werden kann.
Unsere persönliche Meinung: Wozu sind wir eigentlich krankenversichert, wenn - ärztlich bescheinigt - notwendige Präparate in die Nähe von Würz- und Süßstoffen gebracht und nicht von der Kasse bezahlt werden?
In der Stellungnahme des medizinischen Dienstes folgen noch einige Ausnahmen von dieser Regel für angeborene Enzymmangelkrankheiten...diese gelten jedoch scheinbar nicht für Patienten der X-gebundenen Adrenoleukodystrophie. Pech gehabt, einfach die falsche Krankheit? Ist man als Krankenversicherter nur noch gegen ausgewählte Krankheiten versichert?
Die schädlichen, überlangkettigen Fettsäuren werden jedoch durch ein Enzymdefekt im Körper selbst hergestellt! Laut medizinischem Dienst gilt die X-ALD aber nicht als angeborene Enzymmangelkrankheit! Ein Enzymdefekt ist also keine Enzymmangelkrankheit? Was, bitte schön, ist es dann?
Wir möchten keinen asiatischen Hokuspokus bezahlt haben, sondern ein notwendiges Präparat! Unsere Krankenkasse, deren Namen wir wegen der erhofften gütlichen Regelung noch zurückhalten, sieht aber aufgrund dieses Gutachtens des medizinischen Dienstes dafür momentan keine Möglichkeit! Nun soll durch ein erneutes, ausführliches Gutachten ein weiterer Versuch unternommen werden.
Als betroffene Familie haben wir eigentlich mit dieser heimtückischen Krankheit schon genug zu kämpfen. Wenn auch dieser Anlauf nicht klappen sollte, kämen wir wohl um eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht herum.
23.2.2001:
Die Kostenübernahme für die Haushaltshilfe wird, während Markus noch im Elternhaus in Kliniknähe ist - vorerst - von der Krankenkasse weiter zugesichert. Über Kostenübernahme für die gesamte nachstationäre Behandlung ist aber noch nicht entschieden. Hängepartie!
3.3.2001
Markus ist wieder zuhause! Wegen seiner erfreulich guten und stabilen Blutwerte wurde es ihm erlaubt. Die ganze Familie ist völlig aus dem Häuschen, nach rund 3 Monaten sind wir wieder komplett. Die meisten sind sogar der Meinung, daß sich die Aussprache von Markus wieder etwas verdeutlicht habe.
Wir sind zwar noch lange nicht über den Berg und die Krankheit von Markus hat vermutlich noch nicht gestoppt; dennoch haben wir durch die KMT eine Chance erhalten, wofür wir insbesondere auch allen Mitarbeitern der Station 39 der Charité Berlin, ganz besonders natürlich den Ärzten Dr. Ebell, Dr. Kühl und Dr. Leucht dankbar sind!
15.3.2001
Heute kam das OK von der Kasse, daß Lorenzos Öl jetzt doch übernommen wird. Na also. ALD ist einfach so selten, daß für eine Kostenzusage einiges an Argumenten von den Betroffenen beizubringen ist: ausführliche ärztliche Bescheinigungen, Gerichtsurteile o.ä.. Dank an alle, die dazu beigetragen haben!
Markus hatte in den letzten Tagen einen Durchhänger: oft erbrochen, trotz guter Blutwerte recht schwach. Jetzt gehts aber langsam wieder aufwärts.
25.3.2001
Markus ist mittlerweile wieder fit; er erhält jetzt Krankengymnastik und (vorerst) 3 Wochenstunden Schulunterricht zuhause. Soweit sieht also alles relativ gut aus.
Anders verhält es sich mit der Krankenkasse bzw. dem medizinischen Dienst, der die KMT-Nachbehandlung in Berlin ablehnt - stattdessen sollen wir uns an eine nähergelegene Klinik wenden. An dieser Klinik wurde jedoch eine KMT für Markus abgelehnt - daher sind wir nicht gewillt, diese Entscheidung zu akzeptieren. Auch die Charité besteht auf Kontrolluntersuchungen wenigstens in größeren Abständen. Kleinere Zwischenuntersuchungen wollen wir ohnehin vom Hausarzt vornehmen lassen.
6.4.2001
Heute vor einer Woche war Markus zur 1. großen Nachuntersuchung an der Charité. Wir haben zwar noch nicht alle Laborwerte, aber sein Zustand ist so stabil, daß man ihn dort erst zum berühmten Tag 200 wieder sehen will. Man zählt die Tage nach der Knochenmarkstransplantation - nach 200 kann man das Immunsystem langsam wieder belasten, d.h. er kann dann das Haus wieder verlassen und sich an der frischen Luft aufhalten.100 Tage haben wir immerhin schon hinter uns.
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